Skip to content

Die Sache mit der Wertschätzung

Posted in Gedanken rund ums Buch

Nennt ihr in euren Rezensionen den Übersetzer, bzw. die Übersetzerin? Nicht? Warum nicht? Weil ihr euch bisher noch keine Gedanken darüber gemacht habt? Weil ihr glaubt, eure Leser interessiert das nicht? Oder verlinkt ihr beispielsweise zum Verlag, wo eure Leser bei Interesse den Namen des Übersetzers erfahren? Ist das ausreichend?

Scheinbar nein. Denn wie ich festgestellt habe, ist die Wut oder Enttäuschung bei einigen Übersetzern aufgrund von Missachtung und/oder fehlender Wertschätzung ihrer Arbeit enorm groß.

Ist das berechtigt?

Ja. Denn wenn man sich durch die verschiedenen Buchblogs liest, fällt auf, dass nur wenige Blogger auf den oder die Übersetzer/in eingehen. Auch, oder vor allem, ist die namentliche Nennung für viele scheinbar unwichtig. Das dies wütend macht, kann ich nur all zu gut verstehen, denn ein funktionierender Literaturbetrieb ohne Übersetzer ist einfach nicht möglich.

Was kann (muss) man also besser machen?

Isabel Bogdan, selbst als Übersetzerin tätig, weist beispielsweise in diesem Blogartikel daraufhin, dass der Übersetzer der Urheber am deutschen Text ist. Man ist also, auch beim Zitieren von Textstellen, dazu verpflichtet, den Namen anzugeben. Aber auch wenn dies nicht so wäre, sollte man seiner Wertschätzung mehr Ausdruck verleihen, in dem man sowohl den Autor, als auch den Übersetzer nennt.

Gilt das für alle Formate, auf denen man Rezensionen nachlesen kann?

In meinen Augen schon. Denn wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen, und jedes Format auf den Übersetzer hinweist, kann man relativ sicher sein, das eine Vielzahl von Lesern erreicht wird. Was nützt es, wenn der kleine Buchblogger mit wenig Lesern, immer artig die Übersetzer nennt, die großen Formate mit hohen Zugriffszahlen jedoch die Nennung derselbigen unterlässt, oder man derlei Informationen erst nach Anklicken des Links erhält?

 

Ich kann den Unmut dieser so wichtigen Berufsgruppe sehr gut nachvollziehen, und es ist wohl höchste Zeit, ihr mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als viele von uns es bisher getan haben. So wäre es, in meinem Augen, durchaus sinnvoll, die Energie nicht unreflektiert in Häme zu verwandeln, sondern auf freundliche Art und Weise darauf Aufmerksam zu machen, wenn mal wieder der Übersetzer nicht genannt wurde. Wer sich für seine Arbeit mehr Beachtung wünscht, sollte vor allem eines tun, nämlich dort Aufklären wo es nötig ist.

 

Liebe Bloggerinnen und Blogger,

denkt doch einmal darüber nach, wie viele wunderbare Bücher uns entgehen würden, wenn es nicht die Vielzahl an Übersetzern geben würde, die Tag für Tag für uns Leser am Schreibtisch sitzen, um uns Zugang zu all den fremdsprachigen Büchern zu gewähren. Wir freuen uns schließlich auch über positive Beachtung und Wertschätzung unserer Arbeit.

 

Liebe Übersetzerinnen und Übersetzer,

ich kann euren Unmut wahrlich gut verstehen und gelobe Besserung. Doch wenn ihr im Netz mal wieder auf einen Artikel stoßt, in dem ihr oder eure Kollegen nicht genannt werden, weist freundlich und/oder bestimmt daraufhin, welch wichtige Rolle ihr im Literaturbetrieb spielt.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ihr das nächste Mal ein Buch aufschlagt, schaut doch einfach mal bewusst nach, wer es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Text für euch zu übersetzen. Vielleicht findet ihr schon bald einen Übersetzer, oder eine Übersetzerin die aus der Masse herausragt, weil er oder sie ihre Arbeit besonders gut macht. Und beim nächsten Besuch in eurer Buchhandlung fragt nicht nur nach dem neuesten Titel eures Lieblingsautors, sondern vielleicht auch nach dem oder der Übersetzerin.

 

Das Kulturgut Buch, welches uns allen am Herzen liegt, ist leichter zu erhalten, wenn wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, sondern unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, was wir besser machen können. Jeder wie er kann und möchte, jedoch immer mit der Bereitschaft aus Fehlern zu lernen um es im Anschluss besser zu machen. Ein öffentliches an den Pranger stellen, aus welchen Gründen auch immer, halte ich nach wie vor für unangemessen und wenig hilfreich.

 

Und da ich mir in vielen Punkten an die eigene Nase fassen muss, werde ich jetzt meine Rezensionen hinsichtlich der Übersetzer überarbeiten.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche, mit vielen tollen Büchern und möglichst wenig Ärger. Lasst es euch gut gehen.

 

 

 

 

 

 

 

17 Comments

    • Nina
      Nina

      Gern. :)

      18. Mai 2015
      |Reply
  1. Ich glaube, dass das der richtige Schritt in die richtige Richtung ist! Ich war mir dessen auch lange nicht bewusst, wurde dann mal darauf hingewiesen und seitdem nenne ich die Übersetzer zumindest in den bibliographischen Angaben – manchmal auch direkt im Text.

    18. Mai 2015
    |Reply
    • Nina
      Nina

      Danke Mara. :) Ich denke, dass man sich Dingen häufig einfach nicht bewusst ist, wie bei mir in diesem Fall. Selbst wenn sich außer mir nur ein oder zwei Blogger mit diesem Thema auseinandersetzen, ist es immerhin schon mal ein Anfang. Steter Tropfen und so 😉

      18. Mai 2015
      |Reply
  2. Das tut mir Leid. Ich habe mir gar keine Gedanken darüber gemacht. Meine Bewertungen werde ich demnächst durchsehen und überarbeiten.
    Lg Lara

    18. Mai 2015
    |Reply
  3. Asche auf mein Haupt! Daran hatte ich gar nicht gedacht. Dabei habe ich mir schon häufiger Gedanken darüber gemacht, wie schwer es sein muss, Bücher zu übersetzen. Oder ich habe mich über eine Übersetzung aufgeregt, die den Flair eines Buches nicht ausreichend treffen konnte. Aber weiter habe ich nicht gedacht – nämlich daran, die Arbeit der Überseitzer*innen zu würdigen. Ich gelobe Besserung.
    Danke für diesen wichtigen Beitrag!

    loralee

    18. Mai 2015
    |Reply
  4. Huhu,

    Interessantes Thema über das ich mir bis jetzt tatsächlich noch nie Gedanken gemacht habe.
    Ich finde es allerdings schwierig einen guten Übersetzer heraus zu finden. Dafür müsste ich das Buch ja auch im original kennen und dann noch zusätzlich so gut Englisch sprechen /lesen können, dass mir Fehler in der Übersetzung auffallen würden.

    Im Normalfall gehe ich bei einem schönem Schreibstil und toller Wortwahl ja erst mal von einem guten Autor aus 😉

    Ich werde aber tatsächlich mehr darauf achten und bin gespannt ob mir manche Übersetzer vielleicht häufiger über den Weg laufen.
    Spannend übrigens, dass der Urheber des deutschen Textes dann nicht mehr der Autor ist.
    Danke für den tollen Blog Beitrag, regt wirklich zum nachdenken an!

    LG Susan

    18. Mai 2015
    |Reply
    • Nina
      Nina

      Schau mal bei Mara vorbei, natürlich nur, wenn du Lust hast. Hier findest Du ein wirklich lesenswertes Interview mit Gabriele Haefs, in der sie unteranderem auch von ihrer Arbeit als Übersetzerin erzählt. Es geht gar nicht nur darum, Original und Übersetzung zu vergleichen: http://buzzaldrins.de/2014/11/28/gabriele-haefs-im-gesprach/

      Danke für deinen Beitrag! :)

      18. Mai 2015
      |Reply
  5. Ich nenne die Übersetzer immer im Kopf meiner Rezensionen, ist doch klar, gehört für mich genauso dazu wie der Verlag. Selbst vor meiner Blogger-Zeit gab es in meiner Bucharchiv-Liste eine Spalte für den Übersetzer 😉 und ich habe mich immer wie Bolle gefreut, wenn ich irgendwann einen Namen wiederentdeckt habe. Man wird feststellen, dass es durchaus Unterschiede in der Übersetzung gibt, wenn man von einem bestimmten Autor viele Werke gelesen hat und dann der Übersetzer wechselt, das kann schon mal enorme Auswirkungen haben. In meinen Augen gehört der Name des Übersetzer auch mit aufs Cover.

    Dennoch muss ich sagen (und ich vermute mal, Du spielst hier auch auf den Artikel im LitMag bzw. CrimeMag an, oder?), die Art und Weise, wie dort die Bloggerin angegangen wurde, ist absolut unterirdisch und geht in meinen Augen gar nicht. Eine produktive Diskussion ist wundervoll, und sie entsteht ja offenbar auch gerade, aber auf den Rücken einer einzelnen Person und dann auch gleich noch den Seitenhieb auf die kompletten (Hobby-)Buchblogger, das macht mich traurig. Aber so kann ich ein Online-Magazin aus meiner Linkliste halt auch streichen.

    Liebe Grüße und schön, dass Du den Beitrag hier geschrieben hast! Hatte gestern auf Facebook dazu auch ein kleines Statement abgegeben.

    Herzlichst, Philly

    18. Mai 2015
    |Reply
    • Nina
      Nina

      Übersetzer kenne ich natürlich auch, und auch ich freue mich, wenn ich sie in anderen Büchern wiederentdecke. Umso schlimmer also, das ich dieser „Wiedersehensfreude“ hier nie Ausdruck verliehen habe.
      Und ja, ich spiele auch auf den Artikel an, wollte ihn allerdings nicht nennen, bzw verlinken, da einem solchen BloggerBashing nicht noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte 😉
      Danke für deine lieben Worte. Ich husche dann mal zu FB und lese mir dein Statement durch.

      18. Mai 2015
      |Reply
      • Ja, den Gedanken hatte ich auch, als ich den Link bei FB geteilt hatte, war ich eigentlich schon wieder unzufrieden, diesen Teil des Artikels damit auch weiterzutragen! :(

        Aber ich sehe, wir sind da beieinander! Also frohes Weiterbloggen!! 😀

        18. Mai 2015
  6. N’abend!

    Ich muss zu meiner Schande gestehen: Du hast absolut recht! Ich habe mir bisher noch nie ’n Kopf drüber gemacht. Aber Du hast wirklich recht!
    Ich werde in den nächsten Tagen die Namen der Übersetzer in meinen Rezensionen nachtragen. Und das in Zukunft auch so halten.
    Danke für’s Augen öffnen!

    Liebe Bloggergrüße von Kerstin

    18. Mai 2015
    |Reply
  7. Schöner Eintrag, und ich finde das richtig gut. Ich achte zwar für mich selbst drauf, muss aber gestehen, dass ich das auf dem Blog vernachlässigt habe. Das wird sich künftig ändern!

    Alles Liebe, Chimiko

    19. Mai 2015
    |Reply
  8. Ich nehme schon seit längerem in meine Rezensionen bei einer Übersetzung auch immer den/die ÜbersetzerIn in meine bibliographischen Angaben mit auf, weil mir – seit ich auch viel englische Bücher lesen – aufgefallen ist, dass Übersetzungen manchmal ein Buch ruinieren können, oft aber ein Buch in deutscher Übersetzung ebenso wundervoll werden lassen, wie das Original. Für mich sind Übersetzer daher manchmal wahre „Zweitautoren“, da durch ihre Wortwahl sich auch wieder der Zauber des Buches in einer anderen Sprache entfaltet (entschuldige die blumige Ausdrucksweise…). Zuletzt ist mir das wieder durch den Roman „Ich bin China“ eingefallen, den ich wirklich empfehlen kann und der sich zum Teil auch mit dem Übersetzen von Texten beschäftigt.

    Dadurch, dass ich die Übersetzernamen immer in meine Rezensionen mit aufnehme, sind manche Namen schon in mein Gedächtnis übergegangen. Aber tatsächlich nach Büchern von bestimmten Übersetzern habe ich bisher noch nicht gesucht. Vielleicht wäre das mal eine ganz andere Buchsuche – durchaus interessant.

    Viele Grüße, Ramona

    19. Mai 2015
    |Reply
  9. Hi!

    Ein Gedanke ist mir zu deinem Satz, dass wir alle hier an einem Strang ziehen sollten, durch den Kopf gegangen. Während bei Büchern der Übersetzer ja am Beginn drinsteht, wird der Name eigentlich bei Hörbüchern nicht wirklich genannt. Eigentlich nur der Sprecher – oder sehe ich das jetzt falsch? Muss nochmal in meinem aktuellen Hörbuch an den Anfang zurückgehen, um das zu prüfen …

    Ich glaube, hier ist wirklich noch sehr viel Aufklärungsarbeit gefragt, da viele (Und ich nehme mich da nicht aus, Asche auf mein Haupt) diese Arbeit wohl für selbstverständlich halten.

    Liebe Grüße
    Ascari

    PS: Schön, dass es wieder von dir etwas zu lesen gibt! Läuft WordPress jetzt wieder?

    19. Mai 2015
    |Reply
    • Nina
      Nina

      Hm, jetzt wo du es sagst. Da habe ich auch noch nicht drauf geachtet, werde ich schnellstmöglich nachholen. :)
      WP ärgert mich immer noch, aber es wir raufen uns schon wieder zusammen. Danke :)

      19. Mai 2015
      |Reply
  10. Ich schäme mich schon etwas, dass ich das bislang immer nicht gemacht hab. Zumal ich beruflich selbst auf so etwas immer achte. Und als Leserin schaue ich immer, wer das Buch übersetzt hat, vor allem, wenn mir die Sprache nicht so gefällt. In Zukunft werde ich mich bemühen, daran zu denken!
    Liebe Grüße und danke für den Beitrag,
    Melissa

    24. Mai 2015
    |Reply

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: