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Lest doch was ihr wollt…

Posted in Gedanken rund ums Buch

murakami

…und rezensiert wie ihr wollt. Oder rezensiert eben nicht, und teilt der Welt nur mit: Awww! Ist das ein tolles Buch.

Ich weiß nicht, wer mit diesem leidigen Thema angefangen hat, dass jede Buchbesprechung die den heimischen Leseplatz verlässt, fundiert und möglichst anspruchsvoll ausformuliert werden muss. Denn ist sie das nicht, hält sie scheinbar den Ansprüchen der Gesellschaft nicht mehr Stand. Es ist wohl so, dass Leser nicht mehr gleich Leser ist. Ihr lest nur Bücher wie Shades of Grey? Dann bleibt doch bitte in euren eigenen vier Wänden und hört auf, die Öffentlichkeit damit zu belästigen. So oder so ähnlich kommt es mir vor, wenn ich Beiträge verschiedener Blogger lese, denen die „Durchschnittsliteratur“ nicht genügt.

Es ist mir persönlich völlig egal, ob der Chirurg von nebenan in seiner Freizeit Dostojewski liest, oder schon auf der Vormerkliste für „Grey“ steht. Denn das geht mich schlicht nichts an. Wie kann ich einen Menschen verurteilen, der einfach nur zum Buch greift. Was ist so verdammt falsch daran, seinen Emotionen einfach mal freien Lauf zu lassen, und andere für ein Buch zu begeistern. Seit wann muss ich mich für mein Hobby in bestimmte Normen pressen lassen, mit denen ich nichts zu tun haben möchte. Kann nicht einfach jeder lesen was er möchte? Hat nicht jedes, aber wirklich jedes Buch ein Recht darauf seinen Leser zu finden?

Bücher sind nicht nur Bildung und Weiterbildung, Bücher sind auch einfach nur eine Fluchtmöglichkeit, wenn einem die Realität über den Kopf wächst, oder man einfach mal in eine Geschichte abtauchen möchte. Bücher sind wundervoll und das sollen sie auch bleiben. Es kann und darf nicht sein, dass sich der Leser mit seinem Buch verstecken muss, weil er Angst haben muss, für seine Wahl verurteilt zu werden.

In diesem Sinne wünsche ich euch wundervolle Lesestunden mit Donald Duck, Christian Grey oder Hermann Hesse. Lasst es euch gut gehen und vergesst nicht, andere mit eurer Begeisterung anzustecken (in welcher Form auch immer).

 

11 Comments

  1. Word! Ich kann dir da nur zustimmen. Ich musste mich auch schon vor anderen rechtfertigen, wieso ich in meinem Alter Young und New Adult lese und nicht irgendwelche Klassiker. Da platzt mir die Hutschnur. Dürfen wir wirklich mittlerweile nur noch Bücher lesen, die angeblich unserem Alter entsprechen?! Meiner Meinung nach nicht. In dem Sinne: Danke, dass du mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen hast. :)

    Hab noch ein schönes Restwochenende,
    Brina

    11. Juli 2015
    |Reply
    • Nina
      Nina

      Ich konnte es auch nicht mehr ertragen, jetzt geht’s wieder 😉
      Dir auch eine tolles Wochenende mit viel Zeit für Bücher jeglicher Art :)

      11. Juli 2015
      |Reply
  2. Liebe Nina, gestatte mir ein klein wenig Widerspruch. Die Kritik (zumindest meine) richtete sich aber nicht gegen die Bücher, die Genres oder die Fallhöhe der Texte, sondern gegen die Art und Weise der Vermittlung. Youtuberin Sara Bow, um die ging es ausgehend von dem SZ-Artikel, stellt ihre in voller Überzeugung vorgelebte Anspruchslosigkeit in den Mittelpunkt der Vermittlung und wird zum Rolemodel ihrer Peergroup. Das ist mir zu wenig und dagegen muss ich Einspruch erheben dürfen. Jegliche Verflachung kann und will ich nicht hinnehmen. Ich spreche Sara nicht das Recht ab, so zu agieren, ich verdamme und kritisiere keinen ihrer Leser oder Zuschauer. Aber ich darf mir im Gegenzug auch das Recht nehmen, diese Art der Vermittlung unzureichend und zu simpel zu finden. (Wie jeder auch mir und meinen Beiträgen mit Kritik begegnen darf. Wenn ich mich in die Öffentlichkeit begebe muss ich das aushalten.)
    Überspitzt formuliert: mit Deiner Argumentationslinie müsste auch alles unkommentiert bleiben und hingenommen werden, was RTL2 oder die BILD in die Welt setzen. Auch die haben Zuschauer und Leser, vom Chirurg über den Angestellten bis hin zur Reinigungskraft (oder vice versa). Ich kritisiere nicht die Menschen, die das anschauen und lesen, nicht im Ansatz, sondern nur die Macher für ihre Haltung.
    lg_jochen

    11. Juli 2015
    |Reply
    • Nina
      Nina

      Lieber Jochen,
      jegliche (angebrachte) Kritik ist bei mir immer gern gesehen. Die vielen Beiträge über Sara Bow, waren nicht (der einzige) Anlass, sondern mehr der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich kritisiere die Verurteilung (!) von Menschen, die sich nicht die Mühe machen, ellenlange Texte zu gelesenen Büchern auszuformulieren. Es geht mir um das Recht, dass jeder Lesen kann, was immer er möchte. Und jeder kann seiner Begeisterung zu seinem Lieblingsbuch gerne freien Lauf lassen. Und wenn sie dann, so wie Sara, damit Erfolg haben, prima. Denn das holt wieder andere Leser an Bord. Gäbe es allerdings nur diese Art von Literaturvermittlung, würde auch ich mir Sorgen machen. Aber es gibt zig verschiedene Möglichkeiten Begeisterung zu teilen. Wenn die Medien jedoch hingehen und dies als Standard darstellen, kann ich darüber auch nicht lachen. Im Gegenteil.
      Ich verurteile also niemanden, der sachliche Kritik an dieser Art der Vermittlung, oder gegenüber den Medien übt. Ich ärgere mich über persönliche Angriffe, die so dermaßen unter die Gürtellinie gehen, dass sich mir beim Lesen der Magen umdreht. Die Kommentare, die mir ganz klar signalisieren, was ich lesen sollte um dazuzugehören, und was ich lese, wenn ich aufgrund fehlender Bildung eben nicht dazugehöre.
      Ich habe mich bewusst nicht auf den heute so oft geteilten Artikel bezogen, da es mir einfach nur ums Lesen und lesen lassen geht.
      LG Nina

      11. Juli 2015
      |Reply
      • Völlig d’accord! Häme, Spott, persönliche Angriffe und Beleidigung dürfen keinen Raum haben, sachliche Diskussion schon. Anders würde ich es mir bei Kritik an meinem Blog oder meinen Beiträgen auch nicht wünschen. lg-jochen

        11. Juli 2015
  3. Hallo Nina,
    toller Beitrag,den ich direkt so unterschreibe. Jeder soll das lesen und darüber bloggen was er möchte. Wenn es Young Adult ist, dann halt Young Adult und wer lieber Klassiker liest, dann soll er sie halt lesen. Jedem das seine, denn Literatur ist es schließlich beides.
    Ich lese auch nach Stimmung mal halt ein Kinderbuch, dann einen Krimi und dann mal ein historischer Roman. Es ist einfach das Eintauchen in eine andere Welt. So what.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    11. Juli 2015
    |Reply
  4. Mit diesen Worten sprichst du vielen aus der Seele, auch mir. Wann hat es angefangen, dass man sich für Träume, Wünsche und Leidenschaften rechtfertigen muss und wo hört es auf? Bücher sind für Menschen gemacht, nicht für Normen!

    12. Juli 2015
    |Reply
  5. […] Kommentaren vorbei, kam der nächste Schlag daher. Von Sara! Mir graut’s vor dir. bis hin zu Lest doch was ihr wollt… wird da diskutiert über die Inhalte von Buchbesprechungen und am Ende läuft es natürlich mal […]

    12. Juli 2015
    |Reply
  6. Oh wow, toller Artikel. Da lässt du ja mal richtig deine Meinung raus – und das finde ich bewundernswert.
    Ich kann dir da nur zustimmen, in allen Kritikpunkten, die du hervorbringst. Denn auch ich schäme mich manchmal für meine Lektüre (in der Öffentlichkeit) und versuche, das Cover beim Lesen so gut es geht zu verbergen, weil ich Angst habe, dass mich die Leute schief anschauen oder sich was etwas ungutes dabei denken. Zum Beispiel weiß ich noch, dass ich es damals bei „Feuchtgebiete“ so getan habe. Das Buch hat mir zwar nicht zugesagt, aber dennoch war ich vorher sehr neugierig und wollte es lesen. SoG würde ich nicht lesen, weil es einfach nicht mein Geschmack ist, aber ich würde bei Gott niemanden dafür verurteilen oder auslachen, dass es jemand anderem gefällt. Lesen und lesen lassen ist das Motto nach dem (der Leser) leben sollte. 😉

    Alles Liebe ♥,
    Janine

    12. Juli 2015
    |Reply
  7. Wahnsinnig toller Post!! Kann ich so unterschreiben. :-)

    13. Juli 2015
    |Reply
  8. Wirklich tolles Statement zu diesem Thema!! ich finde es so schade wenn sich Leute über andere Leser aufregen. Wie schon genannt 50 Shades of Grey: Ich mein wenn man sonst keine Erotik Romane liest wieso sollte einem dieses auf einmal gefallen und warum darf man den Anderen nicht die Freude daran lassen? Mein größtes Problem die menschen dies Sagen: Dafür bist du noch zu jung: Ich meine selbst zu entscheiden zu wissen, ob ich mit diesen Thema umgehen kann und wenn Sie es selbst nicht können brauchen sie es nicht auf die Allgemeinheit beziehen.

    So jetzt hab ich mich aber genung über andere Leute aufgeregt:)
    ich wünsch dir eine schöne Woche!
    L.G. Agnes

    3. August 2015
    |Reply

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