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[Fünf Buchtipps] gegen die Leseflaute

Posted in Fünf Buchtipps, and kurz notiert

Leseflaute

In letzter Zeit häufen sich die „Leseflaute-Tweets“ in meiner Timeline und ich finde sowas ganz schrecklich. Nicht, dass ich das von mir nicht auch kennen würde, aber so eine richtige Leseflaute über einige Wochen habe ich zum Glück noch nicht erlebt. Bei mir kündigt sich die sogenannte Leseflaute meist dadurch an, dass mir scheinbar jeder Autor, jede Autorin die gleiche Geschichte präsentieren möchte. Es gibt gefühlt nichts Neues mehr zu entdecken, die Protagonisten sind alle aus dem gleichen Muster gestrickt, jeder hat ein Problem vor dem er oder sie davonläuft und am Ende haben sie sich alle wieder lieb. Das ist natürlich sehr überspitzt, aber dieses orientierungslose und verzweifelte Sitzen vor dem Regal ungelesener Bücher macht die Situation nicht besser.

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich brauche dann dringend ein Buch, das mich überrascht. Im besten Fall hat der Autor maximal 10 Seiten Zeit, mich davon zu überzeugen, dass die Geschichte auch wirklich lesenswert ist. Denn diese Art von Entzugserscheinung hat keine Zeit für die üblichen 100 Seiten, die ich normalerweise geduldig lese, bis ich ein Buch zur Seite lege.

Hier also meine fünf Buchtipps, die mich vor den letzten Leseflauten bewahrt haben (klick auf den Titel führt euch direkt zum Verlag)

 

„Der Totgeglaubte“ von Michael Punke, Malik

Klappentext

„South Dakota, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Der Pelztierjäger Hugh Glass wird am Grand River von einem Grizzly angefallen und lebensgefährlich verletzt. Seine beiden Begleiter geben dem Mann keine großen Überlebenschancen. Als sie Indianer in der Nähe ihres Lagers sichten, nehmen sie dem Schwerverwundeten Gewehr, Messer und den Rest seiner Ausrüstung ab und lassen ihn neben einem bereits ausgehobenen Grab zurück. Doch wie durch ein Wunder überlebt Glass – und schwört Rache. Mit einem gebrochenen Bein schleppt er sich durch die endlos weite Prärie auf der Suche nach denen, die ihn so schändlich im Stich gelassen haben.“

DerTotgeglaubteDieses Buch habe ich vor einigen Wochen in der Masse der Leseexemplare ausgegraben wie einen Goldschatz. Mir stand eigentlich überhaupt nicht der Sinn nach einem Pelzjäger, Sommerhitze und den Rocky Mountains. Aber vermutlich war es genau das. Ich weiß nicht, ob ich seit Karl May überhaupt irgendwas in dieser Richtung gelesen habe, aber es brauchte keine 10 Seiten um mich mit Haut und Haaren gefangen zu nehmen. Eine solch intensiv beschriebene Atmosphäre, die einem trotz der Sommerhitze ein Frösteln beschert und ein Geschehen, welches ich mir eigentlich gar nicht näher ausmalen möchte, haben mich alles um mich herum vergessen lassen. Hätte mir vorher jemand gesagt, dass mich der Wilde Westen dermaßen faszinieren kann, ich hätte denjenigen wahrscheinlich ausgelacht!

 

„Die Schatten von Race Point“ von Patry Francis, mare

Klappentext

„Hallie Costa wächst in einer Umgebung voller Geborgenheit auf: Nach dem frühen Tod ihrer Mutter lebt sie allein mit ihrem geliebten Vater Nick in einer Kleinstadt am äußersten Zipfel von Cape Cod, wo der Arzt dank seiner guten Ratschläge bekannt ist wie ein bunter Hund. Als die portugiesische Fischercommunity schwer erschüttert wird durch den Mord an der Mutter von Gus Silva, nimmt Hallie sich ihres Mitschülers an. Zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Neil Gallagher bilden sie bald ein unzertrennliches Trio. Aus Gus‘ und Hallies Freundschaft wird Liebe – bis ein Zwischenfall am Strand von Race Point das Paar auseinandertreibt und Gus eine folgenreiche Entscheidung trifft: Er tritt dem Priesterseminar bei. Jahre später ist er ein geschätzter Seelsorger. Doch dann taucht eine mysteriöse Frau auf, die die Nähe zu dem jungen Priester sucht, und plötzlich setzt ein weiterer Mordfall Gus‘ gesamte Existenz aufs Spiel. Kann Hallie ihrem früheren Freund noch einmal helfen, bevor es zu spät ist?“

Francis_Die Schatten von Race Point_Cover

Was macht dieses Buch so besonders? Vermutlich alles. Schnappt euch alles was ihr braucht, damit ihr euch wohlfühlt. Freut euch auf wunderbare Lesestunden, Protagonisten die ganz schnell euer Herz erobern und eine Geschichte die euch nach Cape Cod entführt. Lasst einfach mal die Seele baumeln, schaltet Handy und Router aus und ignoriert den Haushalt, den Uni, oder was auch immer. Für mich war das Buch wie eine Urlaubsreise, ein Wellness-Wochenende für die Seele.

 

 

 

„Der Ewige“ von Joann Sfar, Eichborn

Klappentext

„In New York begibt sich ein junger Ukrainer in die Psychoanalyse, er will endlich seine Biografie aufarbeiten. Am Anfang des letzten Jahrhunderts starb er auf einem Schlachtfeld in Europa – nur um kurz darauf als Vampir wiederaufzuerstehen. Ein Zustand, mit dem er sich nie anfreunden konnte, der ihm zuwider war, der ihn von seiner großen Liebe entfernte und der neben dem ungemütlichen Blutsaugen auch noch andere Unannehmlichkeiten mit sich brachte. Der so höfliche, wohlerzogene Mann verliebt sich nun hundert Jahre später in seine Therapeutin. Beiden ist nicht bewusst, wie verwoben ihre Geschichten sind und in welcher Gefahr sie schweben“

Sfar-Der-Ewige-org„Der Ewige“ ist auch ein Buch, welches ich vermutlich nicht gelesen hätte, wäre es mir nicht zufällig in die Hände gefallen. Joann Sfar ist eigentlich Comic-Zeichner, und mit Comics kann ich für gewöhnlich nichts anfangen. Das ich ein Buch über Vampire von einem Comic-Zeichner empfehle, ist schon außergewöhnlich. Aber das ist die Geschichte auch. Es ist sicherlich kein typischer Vampirroman, denn sonst hätte ich ihn abgebrochen. Die Geschichte ist einfach so skurril und mit soviel schwarzem Humor gespickt, dass sie sich für mich in kein Genre pressen lässt. Auch wenn ihr üblicherweise keine Vampirfans seid, schaut euch „Der Ewige“ unbedingt näher an. Was hier zwischen den Buchdeckeln steckt ist schier unglaublich!

 

 

„Das größere Wunder“ von Thomas Glavinic, dtv

Klappentext

„Jonas ist Tourist in einer Todeszone, er nimmt an einer Expedition zum Gipfel des Mount Everest teil. Während des qualvollen Aufstiegs hängt er seinen Erinnerungen nach. An seine wilde Kindheit, an das grausame Schicksal seines Bruders Mike, an seine endlosen Reisen nach Havanna, Tokio, Jerusalem und Oslo. Und schließlich an die magische Begegnung mit Marie, seiner großen Liebe, die sein ganzes Leben verändert hat. Thomas Glavinics Roman ist eine Expedition ins Ungewisse – ein unvergleichliches Buch, packend und verstörend zugleich, von einer enormen Suggestivkraft. Und ein Buch der Liebe.“

das_groessere_wunder-9783423143899Dieses Buch ist weder der Bericht eines Bergsteigers, noch eine Liebesgeschichte, soviel schon mal vorneweg. „Das größere Wunder“ ist die Geschichte von Jonas, die eigentlich das erzählt, was wir alle kennen. Wir glauben, dass alles was uns wichtig ist kaputt ist, dass wir vor einem riesigen Scherbenhaufen stehen und keine Ahnung davon haben, wie es denn jetzt weitergeht. So geht es Jonas. Wenn wir auch nicht unbedingt dazu neigen, direkt den Mount Everest zu erklimmen, Jonas hat es vor. Glavinic tischt uns zwei Erzählstränge auf, die beide auf ihre ganz eigene Weise erschrecken und faszinieren. Zum einen sind wir gefangen an den Felswänden des Mount Everest, zum anderen verfolgen wir gespannt, was Jonas überhaupt dazu getrieben hat, sich diesem Wahnsinn überhaupt zu stellen. Unfassbar gut!

 

„Das Reich der Tränen“ von Janine Wilk, Thienemann

Klappentext

„Immer wenn Mia Tränen in die Augen steigen, verlässt sie die Realität und findet sich im Reich der Tränen wieder – einer Welt mit blühenden Landschaften und Mias treuesten Freunden. Doch die Herrscherin dieses Reichs, Königin Zenoide, trachtet ihr nach dem Leben. Während Mia versucht, ihren Freund Goldiur aus dem Kerker der Königin zu befreien, findet sie heraus, dass das Reich der Tränen sehr eng mit ihrem wahren Leben verwoben ist – und sie sich in der Realität längst in den Fängen der bösen Königin befindet“

US_Wilk_Das Reich der Traenen_JH_ok_CS6.indd„Das Reich der Tränen“ ist eine sehr berührende Geschichte, die ich nicht ohne weiteres in die Kategorie der „Wohlfühlbücher“ stecken würde. Aber man muss sich in einer Geschichte auch nicht immer wohlfühlen um sie zu lieben, oder? Dieses Buch gehört aber zu den Kinderbüchern, die ich gerne jedem Erwachsenen, der auch nur annähernd mit Kindern zu tun hat, in die Hand drücken möchte. Janine Wilk erzählt die Geschichte eines Mädchens, die es nur mit Hilfe ihrer Phantasie schafft, in der Realität zurechtzukommen. Dieses kleine Mädchen hat mich nicht nur beeindruckt, sondern mir mal wieder vor Augen geführt, welche Kraft schon in den „Kleinen“ steckt und das wir viel zu wenig aus unserer Kindheit mitnehmen, wenn wir mit diesem „Erwachsen sein“ beschäftigt sind.

 

Jetzt hoffe ich, dass ihr vielleicht ein BUch gefunden hat, welches euch aus der Leseflaute hilft. Für mich ist jedes der genannten Bücher etwas ganz besonderes, da es nicht nur der Geschichte wegen, sondern auch der Art und Weise wie sie erzählt wird, aus der Masse heraussticht. Ich wünsche euch, mit welchem Titel auch immer, wunderbare Lesestunden. Auf das eure Leseflaute schnell ein Ende findet!

4 Comments

  1. „Das größere Wunder“ ist SO ein gutes Buch. Aber ich bin auch ein Glavinic-Fangirl, ich finde alle seine Bücher gut.
    „Die Schatten von Race Point“ klingt aber auch sehr interessant, ich glaub, das muss ich mir mal merken.

    10. August 2015
    |Reply
    • Nina
      Nina

      Ein Glavinic-Fangirl bin ich auch. :) Mach das! Lohnt sich wirklich!

      10. August 2015
      |Reply
  2. Hallo,
    vielen Dank für die tollen Vorschläge!

    Mich reizen insbesondere „Der Totgeglaubte“ und „Die Schatten von Race Point“ … aber eigentlich hören sich alle interessant an. Meine Wunschliste wächst und wächst. :)

    Viele Grüße
    https://daskneipenkind.wordpress.com/

    11. August 2015
    |Reply

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