Skip to content

[Preisverdächtig] „Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky

Posted in gelesen & ..., geliebt, and Preisverdächtig

Bevor am kommenden Dienstag die Hotlist 2015 bekanntgegeben wird, gebe ich noch ein bisschen dem Longlist-Fieber hin. Gelesen habe ich bisher das „Siebentürmeviertel“ von Feridun Zaimoglu und „Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky. Während die Rezension zu „Siebentürmeviertel“ erst noch Gestalt annehmen muss, habe ich meine Gedanken zu Baba Dunja schon mal zusammengefasst:

Baba Dunjas letzte Liebe

Einige Jahre ist es schon her, dass Baba Dunja alles zurückgelassen hat um in ihre alte Heimat zurückzukehren. In dem Bewusstsein, nur noch Briefe und Pakete von ihrer erwachsenen Tochter zu bekommen und ihrer Enkelin nicht beim Aufwachsen zusehen zu können, lebt Baba Dunja nun wieder in Tschernowo. Dort, wo Tschernobyl verheerende Spuren hinterlassen und alles radioaktiv verseucht ist. Dort, wo es zu viele Insekten gibt, wo die Vögel lauter singen und die Spinnennetze anders aussehen, als bei uns. Gemeinsam mit Marja, Petrov, den Gavrilovs und einer Handvoll anderer Bewohner verbringt sie ihren Lebensabend. Mal mit Strom, mal ohne, mit Wasser aus dem Brunnen und Gemüse aus dem eigenen Garten, meistern sie den Alltag.

Würden die Bewohner nicht selber strahlen wie ein Reaktor, könnte man das dortige Leben schon fast als idyllisch bezeichnen. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als plötzlich ein dubios erscheinender Mann mit seiner kleinen Tochter auftaucht um sich häuslich niederzulassen. Ein Besuch mit verheerenden Folgen?

Alina Bronsky ist für mich eine ganz besondere Autorin. Sie konnte mich schon mit „Scherbenpark“ und „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ von ihrer Erzählkunst überzeugen. Trotz der für mich beängstigenden und erschrecken Umstände, fühlt man sich bei Baba Dunja sehr wohl. Auch wenn sie eine sehr „eigene“ Person ist – wer würde schon Tochter und Enkelkind für eine strahlenverseuchte Heimat zurücklassen? – stellt man ihre Handlungen und Eigenarten kaum in Frage. Baba Dunja ist die gute Seele des Dorfes und diejenige, die die Bewohner immer im Auge behält. Sie kümmert sich um Marja, die an Depressionen leidet und schwer unter dem Verlust ihres Mannes leidet, achtet auf den krebskranken Petrov, der nichts mehr isst, um den Krebs nicht zu füttern. Doch ist sie immer sehr darauf bedacht, sich niemandem aufzudrängen. Kaum vorstellbar, dass man sich in einer solch verseuchten Gegend so sehr um das Wohlbefinden seiner Mitmenschen sorgt.

Doch in dieser Geschichte steht nicht das Reaktorunglück und seine Folgen im Hintergrund, sondern vielmehr ein selbstbestimmtes Leben und die Frage, was manchmal schwerer wiegt. Das was man aufgibt, oder das, was man dazu gewinnt?

Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky ist für mich genauso preisverdächtig, wie vor einigen Jahren schon „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“.

Auch wenn die Geschichte in meinen Augen gerne ausführlicher hätte sein dürfen, so ist doch alles erzählt. Ich werde Baba Dunja vermissen und hoffe, dass die Wartezeit bis zum nächsten Buch nicht allzu lang ist.

Mehr zu Baba Dunja findet ihr bei Sophie und Friederike.

 

„Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky, 160 Seiten, gebunden, Kiepenheuer & Witsch

4 Comments

  1. […] sind gelesen und ich bin bisher mehr als begeistert. Ob „Siebentürmeviertel“, „Baba Dunjas letzte Liebe“ oder „Winters Garten“, sie alle haben etwas ganz Besonderes. Auch wenn ihr gar […]

    1. September 2015
    |Reply

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

%d Bloggern gefällt das: