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[Gelesen] „Mauersegler“ von Christoph Poschenrieder

Posted in gelesen & ..., and geliebt

Mauersegler

Denn es kommt nicht darauf an, wie alt man wird, sondern wie und mit wem man alt wird.

Die fünf langjährigen Freunde Carl, Wilhelm, Heinrich, Ernst und Siegfried, allesamt inzwischen Rentner und alleinstehend, beschließen, ihren Lebensabend gemeinsam zu verbringen. Nach einigem Hin und Her kaufen sie sich eine Villa am Starnberger See und lassen diese seniorengerecht umbauen. Die anfänglichen Streitigkeiten, die solch eine neue Situation mit sich bringt, sind schnell vergessen und sie stellen sich alle dieselbe Frage: Was tun, wenn wir so krank und gebrechlich sind, das wir lieber sterben als leben möchten?

Ernst, pensionierter Programmierter, entwickelt das sogenannte Todesengel-Programm. So kann, wer des Lebens überdrüssig ist, einer seiner Freunde als persönlichen Sterbehelfer auswählen. Klingt makaber?

Ist es aber nicht. Poschenrieder setzt sich in seiner Geschichte auf eine ganz besondere Art mit dem Thema Sterbehilfe auseinander. Dabei verleiht er den Freunden, abgesehen von den finanziellen Mitteln, auch die Kraft, über den Dingen zu stehen. Sie blicken der Tatsache, dass sie ihr Leben so gut wie hinter sich haben, recht gelassen entgegen. Auch wenn sie gerne in Erinnerungen schwelgen und dem Leser die ein oder andere Anekdote aus ihrer Kindheit und Jugend erzählen, sind sie sich ihrer Situation stets bewusst. Sie freuen sich, dass sie im Leben soviel erreicht haben, scheuen auch jetzt nicht vor diversen Abenteuern zurück und nehmen selten bis gar nicht ein Blatt vor den Mund.

Trotz des sicherlich nicht ganz leichten Themas, ist Mauersegler tatsächlich so etwas wie eine Wohlfühllektüre. Ob es nun die Dialoge sind, die mich stellenweise ein wenig an Ekel Alfred erinnert haben, oder das Auftauchen der kirgisischen Pflegekraft – einen Anlass zum Schmunzeln findet man oft genug.

Auch wenn die finanziellen Umstände, die hier vorherrschen, für die meisten von uns nicht gegeben sind, so ist es wohl genau das, was sich viele von uns wünschen. Keine Einsamkeit im Alter, kein Leben, welches nur noch von Maschinen bestimmt wird, kein menschenunwürdiges Dahinsiechen.

Poschenrieder hat es geschafft, einen Roman der sich um das Thema Sterbehilfe dreht, zu einem meiner persönlichen Lesehighlights 2015 zu machen. Denn wenn die letzte Seite gelesen ist und es sich so anfühlt, als würden sich die Waltons gute Nacht sagen, kann es sicherlich nicht deprimierend gewesen sein.

„Mauersegler“ von Christoph Poschenrieder, Diogenes Verlag, 224 Seiten gebunden, 22€

 

 

2 Comments

  1. Ja, ja, ja, ich stimme dir zu. Es ist ein Highlight und es ist einfach… ja.

    1. September 2015
    |Reply

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